Brain Awareness Week 2021

Im Rahmen einer Kooperation mit der Dana Foundation und der European Federation of Neuroscience Societies nahm das Ressort Wissenschaft und Forschung mit Unterstützung des Presseteams dieses Jahr an der "Brain Awareness-Week" teil.  Die Brain Awareness Week ist eine weltweite Kampagne zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Fortschritte und Vorteile der Gehirnforschung.

Partner aus der ganzen Welt feierten mit Veranstaltungen, Workshops und Vorträgen wie jedes Jahr eine Woche des Gehirns. Mensa nutzte die Woche dazu in einer Social Media Kampagne ein paar Klischees über Hochbegabte unter die Lupe zu nehmen.

Außerdem wurde im Rahmen von #MensaGoesScience ein Vortrag über die Geschichte der Begabungsforschung angeboten.

Hier finden sich die Beiträge im Schnelldurchlauf. Eine ausführliche Erläuterung je Motiv ist weiter unten per Klick ins Bild zu finden.

Hochbegabte sind alles Einzelgänger mit schlechten sozialen Fähigkeiten

So wie bei allen Gruppen gibt es auch über Hochbegabte Vorurteile und bestimmte Stereotype mit denen man ihre Mitglieder typischerweise verbindet. Neben äußeren Merkmalen (ihr erinnert euch an die Brille (Zwinkern)) und der Zuschreibung hoher Kompetenzen in verschiedensten Gebieten (z.B. dem Schreiben guter Noten), welche nur zu Teilen der Wahrheit entsprechen und eher neutrale oder positive Eigenschaften sind, gibt es leider auch das Bild des sozial isolierten und/oder sozial unfähigen Hochbegabten. In verschiedenen Medien wird dieses leider auch immer wieder gerne zur Unterhaltung herangezogen (Big Bang Theory, Sherlock oder Scorpion lassen Grüßen). Leider führt dies neben Diskriminierung auch zu Stigmatisierung hoher Intelligenz. Den Streber, der von vielen gemieden wird, ist ein Bild, dass viele hierbei vor Augen haben. Aber auch z.B. eine Frau, die ihre Leistungen in der Arbeit verbirgt oder weniger leistet als sie könnte um nicht negativ herauszustechen, kann eine Folge dieses Bildes sein (und viele andere Beispiele mehr). Viele Mensaner berichten auch, dass ihre Freude über das Ergebnis ihres Tests und die Erklärung für sich daraus erklärende Phänomene sowie ihre Mensamitgliedschaft schnell zu einem Geheimnis wurden, nachdem viele negative Erfahrungen im Umfeld gemacht wurden. Doch was hat es nun mit diesem Vorurteil wirklich auf sich?

Wie schon im Text zu psychischer Gesundheit erwähnt scheinen hochbegabte Kinder und Jugendliche wohl eine zumindest gleich gute, wenn nicht sogar bessere emotionale und soziale Entwicklung zu durchlaufen (Reis & Renzulli, 2004;  Zeidner & Shani-Zinovich, 2011). In einem Übersichtswerk aus dem Jahr 2002 zur sozioemotionalen Entwicklung von Hochbegabten Kindern (The social and emotional development of gifted children, Neihart et al., 2002)) wird in einem Kapitel zum Forschungsstand die Aussage getroffen, dass es keine Studien gebe die belegen würden, dass hochbegabte Grundschulkinder weniger beliebt seien als ihre Mitschüler sondern sogar, dass Sie eher beliebter wären (Rimm, 2002),). Laut Daten des Marburger Hochbegabtenprojekts scheinen Hochbegabte diesen Vorteil im Laufe des Heranwachsen zu verlieren dabei jedoch nicht, wie es das Vorurteil sagt, unbeliebter zu sein als ihr Mitschüler sondern nicht stark vom Durchschnitt abzuweichen (Czeschlik & Rost, 1988; Schilling, 2002)). Ein weiterer Befund einer der umfangreichsten Untersuchungen zum Thema Entwicklung hochbegabter Jugendlicher war das "Das Urteil der Lehrkräfte [...] eindeutig [war]: Sie
beschrieben Hochbegabte als emotional reifer, sozial kompetenter und weniger sozial ängstlich als durchschnittlich Begabte" (Sparfeldt & Rost, 2012, nach Freund-Braier, 2009). Hierbei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass es sich um "den durchschnittlichen" Hochbegabten handelt. Ein Gefühl anders zu sein, Ausgrenzung aufgrund hoher schulischer Leistungen, störendes Verhalten durch Unterforderung o.ä. können gerade bei weniger gut ausgeprägten sozialen Fähigkeiten (wie sie eben bei Kindern mit verschiedensten kognitiven Fähigkeiten vorkommen) zu Leid und Problemen führen. Gerade die Tatsache, dass insbesondere (wenn nicht meistens sogar nur) Schüler mit sozialen oder emotionalen Problemen in die Verlegenheit kommen einen Intelligenztest zu machen, sozial und emotional kompetente Schüler jedoch meist nie von ihrer Hochbegabung erfahren, könnte ein Grund dafür sein, dass das Bild des sozial schwachen Hochbegabten so weit verbreitet ist. 

Doch wie sieht es mit Erwachsenen aus? Eigentlich scheint es naheliegend, dass sozial kompetente Jugendliche ihre Fähigkeiten mit dem Erwachsen werden nicht verlieren, aber sehen wir uns ein paar Befunde dazu an. So zeigte sich in einer Studie zur Messung (einer der vielen möglichen Möglichkeiten) der emotionalen Intelligenz, in diesem Fall im Sinne eines selbst berichteten Persönlichkeitsmerkmals, kein Zusammenhang mit kognitiver Intelligenz. Was im Umkehrschluss auch bedeutet, dass hochintelligente hier nicht schlechter abschnitten. In Bezug auf die Regulation der eigenen Emotionen scheint eine höhere Intelligenz sogar einen Vorteil zu bieten (Opitz et al., 2014)). Insgesamt spricht also wenig dafür, dass intelligente dem negativen Stereotyp des Einzelgängers mit niedrigen sozialen Fähigkeiten entsprechen (zumindest scheint es davon nicht mehr zu geben als in der Normalbevölkerung auch).

Hochbegabte schreiben alle gute Noten

"Ach, du bist hochbegabt? Dann hast du bestimmt super Noten, weil dir alles so leicht fällt, oder?" An diesem Klischee ist durchaus etwas dran: Denn Intelligenz sagt von allen psychologischen Einzelvariablen am besten vorher, ob jemand gut in der Schule ist. Das ist nicht verwunderlich, denn IQ-Tests wurden von Anfang an genau mit diesem Ziel konstruiert. Alfred Binet, der Erfinder des ersten IQ-Tests, hatte vom französischen Schulministerium Anfang des 20. Jahrhunderts den Auftrag bekommen, Aufgaben zu entwickeln, um festzustellen, ob ein Kind gesondert gefördert werden muss oder ob es im regulären Schulbetrieb mithalten kann.

Perfekt ist der Zusammenhang zwischen Intelligenz und Schulnoten allerdings keineswegs. Eine Metaanalyse von 2015 (Roth, et al.), die verschiedene Einzeluntersuchungen zu dem Thema zusammenfasste, kam auf eine Korrelation von .54. Was das bedeutet? Ein perfekt positiver Zusammenhang entspräche einer Korrelation von 1; .54 (die Null vor dem Komma lässt man üblicherweise weg, wenn der Wert nicht größer als 1 sein kann) liegt also irgendwo zwischen "gar kein Zusammenhang" und "perfekter Zusammenhang". Umgerechnet bedeutet das, dass knapp 30 % der Unterschiede in den Schulleistungen durch Unterschiede in der Intelligenz erklärt werden können (hierzu muss man die Korrelation nur quadrieren). Diese Schwankungen sind u. a. darauf zurückzuführen, wie man die Intelligenz gemessen hat, ob es um Durchschnittsnoten oder Noten in speziellen Fächern geht etc. 

Im Umkehrschluss können wir insgesamt also sagen, dass gut 70 % der Leistungsunterschiede durch andere Faktoren als die Intelligenz zustande kommen. Da ist also noch einiges an Luft nach oben! Was für Faktoren sind das? Ganz vorn steht die Gewissenhaftigkeit, also wie zuverlässig und fleißig jemand arbeitet. Motivation ist ebenfalls wichtig. Und natürlich spielt auch die Umwelt eine Rolle: Wie wichtig die Lehrkraft und guter Unterricht für den Schulerfolg sind, zeigt nicht zuletzt die Hattie-Studie (2010). Hattie ist übrigens methodisch noch mal einen Schritt weitergegangen: Wo normale Metaanalysen Einzeluntersuchungen zusammenfassen, hat er gleich Metaanalysen metaanalysiert, was natürlich noch mal eine ganz andere Aussagekraft erlaubt.

Übrigens: Das Geschlecht beeinflusst laut den oben angeführten Meta-Analyse den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Schulnoten nicht. Dass Jungen gute Noten schreiben, weil sie schlau sind, und Mädchen, weil sie fleißig sind, ist also auch so ein Mythos, den man getrost in die Mottenkiste der Forschungsgeschichte verbannen kann.

Es gibt verschiedenste voneinander unabhängige Intelligenzen ( kognitiv, musisch, kinästhetisch, emotional...)

Diese, in machen Kreisen immer noch weitverbreitete, Annahme geht auf Howard Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen aus den 1980ern zurück. Hierbei bezog sich Gardner bei der Entwicklung nicht auf empirische Daten sondern leitete Sieben Intelligenzen anhand "Inselbegabter" historischer Persönlichkeiten ab (Einstein, Picasso, Stravinsky oder Gandhi usw..) und ergänze später noch verschiedene weitere Intelligenzen. In der wissenschaftlichen Psychologie gab es von Beginn Kritik an verschiedensten Teilen von Gardners Theorie (Zusammenfassend: Rost, 2008). Als am wichtigsten hervorzuheben ist hierbei neben der teils abenteuerlichen Herleitung der verschiedenen Intelligenzen der einfache Fakt, dass bisherige Forschungserbnisse nicht beachtet wurden: "Bemerkenswert ist erstens, wie wenig Gardner die Resultate der mittlerweile hundertjährigen erfahrungswissenschaftlichen Intelligenzforschung würdigt und wie er die «‹MI›-Theorie»  [Multiple-Intelligenzen-Theorie]  als «neue» Einsicht vermittelt. Nicht wenige der «MI» sind nämlich schon längst im Rahmen «klassischer» Intelligenztheorien thematisiert und in zahlreichen empirischen Studien untersucht worden" (Rost, 2008) Auch wurden Behauptungen aufgestellt die durch die Forschung längst widerlegt sind. So behauptete Gardner, dass seine verschiedenen Intelligenzen unabhängig voneinander seien, was einem der grundlegenden Befunde:  der "positiven Mannigfaltigkeit" der meisten intellektuellen Leistungen widerspricht. Hierunter ist die Tatsache zu verstehen, dass bei guten Leistungen in einer intellektuellen Fähigkeit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch gute Leistungen in anderen intellektuellen Fähigkeiten zu finden sind. So sind fähige Musiker meist auch hoch intelligent (Hembold , Rammsayer, & Altenmüller, 2005) und gute Schulleistungen in einem Fach gehen meist mit guten Schulleistungen in anderen Fächern einher (Roth, et al., 2015) (auf die Unterscheidung zwischen z.B. kristalliner und fluider Intelligenz sowie einer Erklärung des G-Faktors wird an dieser Stelle verzichtet).  Dieser positive Zusammenhang zwischen verschiedenen kognitiven Fähigkeiten ist einer der bestbelegtesten Zusammenhänge der Psychologie Rost, 2008, Deary, (2000) und zeigt sich auch darin, dass (von verschiedenen Erkrankungen und Entwicklungsstörungen abgesehen) Inselbegabungen ein eher seltenes Phänomen sind (Treffert, 2009).

Eine weitere häufig genannte Intelligenz ist die der "emotionalen Intelligenz" welche teilweise aus Gardners Theorien hervorgegangen, zu mehr seriöser Forschung geführt hat jedoch auch nicht ohne Probleme ist. So handelt es sich auch bei dieser Intelligenz nicht um eine "Intelligenz" im klassischen Sinne, sondern eher um einen Sammelbegriff für verschiedene Fähigkeiten und Kompetenzen, welche in den meisten Fällen schon unter anderem Namen untersucht wurden. Zuerst erwähnt von Salevoy und Meyer (1990) wurde "Die" emotionale Intelligenz durch ein Buch eines Wissenschaftjournalisten namens Goleman populär. In der wissenschaftlichen Psychologie breiter Kritik unterworfen, wurde auch hier wieder das nicht zur Kenntnis nehmen bisheriger Forschung angeführt (Schuler, 2002), aber auch die Tatsache, dass je nach Konzept unterschiedliche Dinge unter dem Begriff emotionale Intelligenz verstanden werden: Was von Leistungstests in sozialen Fähigkeiten, Emotions- und Selbstregulation über Fragebögen zur Einschätzung der eigenen sozialen Fähigkeiten oder Persönlichkeitseigenschaften bis hin zu der Fremdeinschätzung von anderen reicht und somit zwar tlw. etwas real vorhandenes und z.B. im Berufsleben auch relevantes misst, jedoch mit anderen Begriffen besser beschrieben werden könnte. Je nach genauem Messinstrument werden eben jeweils unterschiedliche Dinge gemessen (Humphrey, et al., 2010) und wie bei vielen anderen "Intelligenzen" wird mit der Bezeichnung als Intelligenz wohl eher ein Imagezweck erfolgt, als dass sie mit der "echten" kognitiven Intelligenz vergleichbar wäre.

Hochbegabte sind häufiger psychisch krank

Vor einiger Zeit ging eine Studie durch viele Medien in der es hieß, dass intelligente Menschen häufiger an psychischen Erkrankungen leiden würden (Karpinski et al., 2018). Klar werden sich die meisten denken: "Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander" und tatsächlich scheint es laut dieser Studie eine höhere Anzahl von Menschen zu geben welche an Angst- und affektiven Störungen, ADHS, Autismus o.Ä. leiden. Ohne jetzt hierbei jedoch schlechte Publicity für unseren Verein erzeugen zu wollen muss angemerkt werden, das es sich nur um eine(!) Studie mit Mensa-Mitgliedern handelte (Haugen, 2018). Hierbei wurden die Ergebnisse jedoch zum einen nur anhand einer Selbstauskunft und ohne sichere Gewährleistung, dass es sich um eine repräsentative Stichprobe handelte, gewonnen. Zum Anderen handelte es sich nicht um eine bevölkerungs(!)repräsentative Stichprobe, welche man benötigen würde, um Hinweise auf einen sicheren Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und einem hohen IQ zu liefern.

Hierbei bietet es sich außerdem an sich zu überlegen, aus welchen Gründen Erwachsene und gerade auch Kinder sich einer Intelligenztestung unterziehen. Neben reinem Interesse und dem Gefühl sich von anderen zu unterscheiden, wird sicherlich ein Teil unserer Mitglieder einen Test gemacht haben, da sie den Eindruck hatten, dass ihr Potential und ihre Leistung nicht übereinstimmen, wofür eine psychische Erkrankung eine mögliche Erklärung darstellt. Auch wenn man sich überlegt bei welchen diagnostischen Fragestellungen Intelligenztests häufig eingesetzt werden (da dies auch in den Leitlinien der entsprechenden Fachgesellschaften empfohlen wird) verwundert es nicht, dass sich eine höhere Anzahl von Menschen mit bestimmten Erkrankungen (die wiederum häufig mit anderen psychischen Erkrankungen zusammenhängen) unter Mensamitgliedern finden lässt. Wenn wir uns also andere Studien mit repräsentativeren Stichproben und idealerweise Meta-Analysen betrachten, zeichnet sich ein teilweise anderes Bild.

So wurde z.B bereits in einer Meta-Analyse aus den 80ern (Aylward et al., 1984) ein negativer Zusammenhang zwischen dem IQ und der Entwicklung einer Schizophrenie beobachtet. Auch in einer Meta-Analyse aus dem Jahr 2011 konnte ein negativer Zusammenhang der Entwicklung einer Schizophrenie mit der Höhe des IQ festgestellt werden. Die Autoren gehen hier anhand der Daten sogar davon aus, dass eine hohe Intelligenz einen Schutzfaktor für das Entwickeln einer Schizophrenie darstellen könnte. (Khandaker et al., 2011). Auch in Bezug auf Psychopathie zeigt sich ein leicht negativer Zusammenhang in einer Übersichtsarbeit (Ribera et al., 2017). Wenn man weitere spezifische Erkrankungen betrachtet findet sich jedoch auch einmal der ein oder andere positive Zusammenhang wie z.B. mit Magersucht (Lopez et al., 2010).

Bei Betrachtung verschiedenster Erkrankungen (ADHS, Bipolare Störungen, Magersucht,...) in bevölkerungsrepräsentativen Stichproben junger Heranwachsender (aus den USA) scheint in einer der größten Studien zum Thema (N = 10073) jedoch insgesamt ein negativer Zusammenhang zwischen dem IQ und psychischen Erkrankungen zu bestehen (Keyes et al., 2017). Anzumerken bleibt hierbei jedoch, dass es sich bei den meisten Studien nur um Momentaufnahmen handelt, die höchstens korrelative Schlüsse zulassen und auch, dass beim Vorliegen einer akuten Krankheitsphase verschiedene kognitive Fähigkeiten eingeschränkt sind und damit auch ein niedrigerer Gesamt-IQ nicht weiter verwunderlich ist.

In Langzeitstudien zum Thema, wie z.B. Studien zum Thema Schizophrenie (s.o.) oder Studien zum Thema einer "kognitiven Reserve" als Schutzfaktor vor psychiatrischen Erkrankungen (Koenen et al., 2009) oder Demenzen (Meng & D’Arcy, 2012), scheint jedoch eine hohe Intelligenz als Schutzfaktor zu fungieren. Dies zeigt sich auch darin, dass hochbegabte Jugendliche wohl eine zumindest gleich gute, wenn nicht sogar bessere emotionale und soziale Entwicklung durchlaufen (Reis & Renzulli, 2004Zeidner & Shani-Zinovich, 2011) und (bei hier tlw. sehr dünner Datenlage) anscheinend weniger häufig psychische Probleme entwickeln (Martin et al., 2010). Dies heißt jedoch nicht, dass sie nicht mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind (Reis & Renzulli, 2004) welche es zu beachten gilt. 

So lässt sich zusammenfassen mal wieder nur sagen: "Es ist kompliziert und weitere Forschung ist nötig" 

Hochbegabte sind alles Einzelgänger mit schlechten sozialen Fähigkeiten

So wie bei allen Gruppen gibt es auch über Hochbegabte Vorurteile und bestimmte Stereotype mit denen man ihre Mitglieder typischerweise verbindet. Neben äußeren Merkmalen (ihr erinnert euch an die Brille (Zwinkern)) und der Zuschreibung hoher Kompetenzen in verschiedensten Gebieten (z.B. dem Schreiben guter Noten), welche nur zu Teilen der Wahrheit entsprechen und eher neutrale oder positive Eigenschaften sind, gibt es leider auch das Bild des sozial isolierten und/oder sozial unfähigen Hochbegabten. In verschiedenen Medien wird dieses leider auch immer wieder gerne zur Unterhaltung herangezogen (Big Bang Theory, Sherlock oder Scorpion lassen Grüßen). Leider führt dies neben Diskriminierung auch zu Stigmatisierung hoher Intelligenz. Den Streber, der von vielen gemieden wird, ist ein Bild, dass viele hierbei vor Augen haben. Aber auch z.B. eine Frau, die ihre Leistungen in der Arbeit verbirgt oder weniger leistet als sie könnte um nicht negativ herauszustechen, kann eine Folge dieses Bildes sein (und viele andere Beispiele mehr). Viele Mensaner berichten auch, dass ihre Freude über das Ergebnis ihres Tests und die Erklärung für sich daraus erklärende Phänomene sowie ihre Mensamitgliedschaft schnell zu einem Geheimnis wurden, nachdem viele negative Erfahrungen im Umfeld gemacht wurden. Doch was hat es nun mit diesem Vorurteil wirklich auf sich?

Wie schon im Text zu psychischer Gesundheit erwähnt scheinen hochbegabte Kinder und Jugendliche wohl eine zumindest gleich gute, wenn nicht sogar bessere emotionale und soziale Entwicklung zu durchlaufen (Reis & Renzulli, 2004;  Zeidner & Shani-Zinovich, 2011). In einem Übersichtswerk aus dem Jahr 2002 zur sozioemotionalen Entwicklung von Hochbegabten Kindern (The social and emotional development of gifted children, Neihart et al., 2002)) wird in einem Kapitel zum Forschungsstand die Aussage getroffen, dass es keine Studien gebe die belegen würden, dass hochbegabte Grundschulkinder weniger beliebt seien als ihre Mitschüler sondern sogar, dass Sie eher beliebter wären (Rimm, 2002),). Laut Daten des Marburger Hochbegabtenprojekts scheinen Hochbegabte diesen Vorteil im Laufe des Heranwachsen zu verlieren dabei jedoch nicht, wie es das Vorurteil sagt, unbeliebter zu sein als ihr Mitschüler sondern nicht stark vom Durchschnitt abzuweichen (Czeschlik & Rost, 1988; Schilling, 2002)). Ein weiterer Befund einer der umfangreichsten Untersuchungen zum Thema Entwicklung hochbegabter Jugendlicher war das "Das Urteil der Lehrkräfte [...] eindeutig [war]: Sie
beschrieben Hochbegabte als emotional reifer, sozial kompetenter und weniger sozial ängstlich als durchschnittlich Begabte" (Sparfeldt & Rost, 2012, nach Freund-Braier, 2009). Hierbei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass es sich um "den durchschnittlichen" Hochbegabten handelt. Ein Gefühl anders zu sein, Ausgrenzung aufgrund hoher schulischer Leistungen, störendes Verhalten durch Unterforderung o.ä. können gerade bei weniger gut ausgeprägten sozialen Fähigkeiten (wie sie eben bei Kindern mit verschiedensten kognitiven Fähigkeiten vorkommen) zu Leid und Problemen führen. Gerade die Tatsache, dass insbesondere (wenn nicht meistens sogar nur) Schüler mit sozialen oder emotionalen Problemen in die Verlegenheit kommen einen Intelligenztest zu machen, sozial und emotional kompetente Schüler jedoch meist nie von ihrer Hochbegabung erfahren, könnte ein Grund dafür sein, dass das Bild des sozial schwachen Hochbegabten so weit verbreitet ist. 

Doch wie sieht es mit Erwachsenen aus? Eigentlich scheint es naheliegend, dass sozial kompetente Jugendliche ihre Fähigkeiten mit dem Erwachsen werden nicht verlieren, aber sehen wir uns ein paar Befunde dazu an. So zeigte sich in einer Studie zur Messung (einer der vielen möglichen Möglichkeiten) der emotionalen Intelligenz, in diesem Fall im Sinne eines selbst berichteten Persönlichkeitsmerkmals, kein Zusammenhang mit kognitiver Intelligenz. Was im Umkehrschluss auch bedeutet, dass hochintelligente hier nicht schlechter abschnitten. In Bezug auf die Regulation der eigenen Emotionen scheint eine höhere Intelligenz sogar einen Vorteil zu bieten (Opitz et al., 2014)). Insgesamt spricht also wenig dafür, dass intelligente dem negativen Stereotyp des Einzelgängers mit niedrigen sozialen Fähigkeiten entsprechen (zumindest scheint es davon nicht mehr zu geben als in der Normalbevölkerung auch).