Pressemeldung - Mensa in Deutschland (MinD)
< Hochbegabte ehren Impulsgeber
11.05.2016

Interview mit Dr. Daniele Ganser, geführt am 23. April 2016 von Robert Klose anlässlich der IQ-Preis-Verleihung in Bonn

Dr. Daniele Ganser mit dem IQ-Preis von Mensa in Deutschland e.V. (Bild: Anna Weinhold)

Dr. Daniele Ganser mit dem IQ-Preis von Mensa in Deutschland e.V. (Bild: Anna Weinhold)

Dr. Daniele Ganser, Schweizer Historiker und Friedensforscher, bekannt für seine unkonventionellen, oft als provozierend empfundenen Thesen, ist Träger des IQ-Preises 2015 in der Kategorie „Intelligente Vermittlung“ von Wissen. Obwohl er noch am gleichen Abend andere Verpflichtungen hatte, nahm er sich die Zeit, zur Übergabe nach Bonn zu reisen. Am Rande der offiziellen Verleihung im Rahmen des Jahrestreffens beantwortete Ganser einige Fragen zu seiner Arbeit und seiner Weltsicht in einem Gespräch, das wir mit seinem Einverständnis hier auszugsweise veröffentlichen.

 

Haben Sie damit gerechnet, von den deutschen Mensanern zum IQ-Preisträger gewählt zu werden?

Ich war sehr überrascht, eine Mail zu bekommen, in der ich von dem Preis erfuhr. Als ich las, um was es ging, habe ich mir sofort gesagt: „Da fahre ich hin.“

Seit Vereinsgründung ist in der Mensa-Satzung das Ziel festgeschrieben, Intelligenz zum Wohle der Menschheit einzusetzen. Ist das eine bloße Utopie, oder halten Sie das für möglich?

Ja, das geht. Intelligenz kann dazu eingesetzt werden, Dinge zu hinterfragen. Leider ist es auch möglich, Intelligenz in den Dienst des Krieges zu stellen. Es geht darum, Kriegspropaganda in den Medien nicht einfach unkritisch zu akzeptieren, sondern sie zu entlarven. Intelligente Menschen lesen viel und sind vor allem dann sehr gut informiert, wenn sie ihre Informationen aus unterschiedlichen Quellen beziehen.

Warum ist es so wichtig, zu einem Ereignis verschiedene Informationsquellen zu haben?

Friedrich Nietzsche hat gesagt: Alles sehen heißt perspektivisch sehen. Wenn Sie sich die Berichterstattung etwa über Kriege anschauen, wird klar, dass die Sichtweise der NATO ohne jegliche Kritik von den Medien einfach übernommen wird. Es ist wichtig, auch andere Quellen zu kennen, die das gleiche Ereignis aus einer ganz anderen Perspektive schildern, andere Belege nennen und zu anderen Schlüssen kommen.

Konkret: Die Katastrophe des 11 September 2001, der Einsturz des World Trade Centers in New York, könnte nach Ihrer Überzeugung ganz andere Hintergründe haben als die in allen Medien verbreitete. Was hat Sie zu dieser These gebracht?

Bis heute laufen Untersuchungen über die Ursache der Einstürze. Viele wissen gar nicht, dass es auch WTC 7 gab, einen dritten Turm, der ebenfalls einstürzte, ohne dass ein Flugzeug hineingeflogen ist. Wir haben also zwei Flugzeuge, aber drei Türme. Gemäss den Prinzipien der Logik kommen daher Flugzeuge nicht als Ursache für den Einsturz aller drei Gebäude in Frage, obschon das noch viele Menschen glauben. Der Einsturz von WTC7 muss eine andere Ursache haben. Als Möglichkeiten im Raum stehen zwei Ursachen: Feuer oder Sprengung. Welche der zwei Möglichkeiten stimmt, das weiß ich auch nicht, da bleibe ich ergebnissoffen. Aber man muss genau diesen Punkt vertiefen. Das Gebäude hatte 81 senkrechte Stahlsäulen, fiel aber während zwei Sekunden im freien Fall. Baustatiker der ETH Zürich haben mir gegenüber erklärt, dass vermutlich nur eine Sprengung aller 81 Säulen das Gebäude in derselben Sekunde destabilisieren konnte. Das amerikanische National Institute for Standards and Technology, NIST, hingegen behauptet, nur eine Säule, nämlich Säule 79, sei durch einen Brand destabilisert worden, das habe den Totaleinsturz verursacht. Die historische Forschung muss diese wichtige Frage klären, denn 9/11 hat den sogenannten "Krieg gegen den Terrorismus" und den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ausgelöst.

Stellungnahmen wie diese werden Ihnen nicht nur in den USA gewiss harsche Kritik, wenn nicht Anfeindungen einbringen. Haben Sie jemals daran gedacht, deshalb von ihrem Standpunkt abzurücken?

Ich bleibe bei dem, was ich weiß. Und ich bleibe meinen Forschungsresultaten treu und vertiefe die Arbeit.

Reisen Sie bei Ereignissen wie diesem oder bei Kriegen zu den Orten des Geschehens?

Nein, aber ich studiere sehr genau die Quellen, die Berichte, die mir zugänglich sind. Hier sind oft Informationen enthalten, die nicht den Weg in die Medien finden. Ich bin weltweit vernetzt, um Zugang zu Informationen zu bekommen.

Wo sehen Sie die Basis Ihrer Arbeit als Friedensforscher?

Die UN-Charta, die Erklärung der Menschenrechte – das sind wichtige Dokumente. Es geht um den Grundsatz, das kein Land ein anderes angreifen darf. Wir wissen, dass die Realität auch heute anders aussieht.

Warum ist das so? Sie verweisen in Ihren Büchern mehrfach auf die Rolle des Erdöls, das eine dominierende Stellung in der Weltwirtschaft hat und immer knapper wird. Ist hier die Ursache für aktuelle Kriege zu sehen?

Wir brauchen weltweit täglich 90 Millionen Fass Erdöl, das sind 45 Supertanker. Viele der heute geführten Kriege sind Rohstoffkriege. Auch das wird in den Medien oft nicht thematisiert. Dort geht es oft nur darum, die Guten und die Bösen zu benennen. Dabei wird, wie gesagt, oft allzu unkritisch einfach die Sichtweise der NATO übernommen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dr. Daniele Ganser wurde 2005 international bekannt durch die Veröffentlichung seiner Dissertation zum Thema „NATO-Geheimarmeen“. Der Wissenschaftler lebt, forscht und lehrt in der Schweiz. Er  gründete 2011 das „Swiss Institute for Peace and Energy Research“ (SIPER), das er leitet.

Seit 2004 vergibt Mensa in Deutschland e. V. (MinD) jährlich den Deutschen IQ-Preis. Dieser Ehrenpreis würdigt Personen und Institutionen, die sich in besonderem Maße in Deutschland mit einer intelligenten Idee um das Wohl der Allgemeinheit, um die Förderung oder Erforschung der menschlichen Intelligenz oder um die positive Wahrnehmung von Intelligenz in der Öffentlichkeit verdient gemacht haben. Seit 2011 wird der Preis in mehreren Kategorien verliehen.

Mit knapp 13.000 Mitgliedern ist Mensa in Deutschland bundesweit der größte Verein für hochbegabte Menschen. Mitglied werden kann, wer in einem normierten Test nachweist, dass er einen höheren Intelligenzquotienten hat als 98 Prozent der Bevölkerung.  MinD ist Mitglied von Mensa International (MI), dem Dachverband aller nationalen Mensagruppen, mit weltweit mehr als 120.000 Mitgliedern. Ein wesentlicher Zweck des Vereins ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der menschlichen Intelligenz. Dazu gehört vor allem das Aufspüren menschlicher Intelligenz, zum Beispiel durch wissenschaftlich anerkannte Intelligenztests. Mensa strebt den Einsatz von Intelligenz zum Wohle der Menschheit an.

Zurück zur Presseseite