Hochbegabung in Bildungseinrichtungen

Begabungen eröffnen Chancen – für jeden Einzelnen ebenso wie für jede Gesellschaft. Hochbegabungen in Musik, Kunst und Sport feiern wir darum und fördern sie ganz selbstverständlich von früher Kindheit an. Mensa setzt sich für die gleichberechtigte Förderung kognitiv hochbegabter Menschen ein, denn auch deren gesteigerte Fähigkeit zur Erkennung von Mustern und Systematiken wird – gerade in Zeiten wachsender sozialer Komplexität – zu einer wichtigen Ressource für alle.

Sicher kennen Sie bereits hochbegabte Menschen – vielleicht ohne es zu wissen! Denn nach der üblichen Definition sind 2 % der Bevölkerung hochbegabt. Jede 50. Person kann also in standardisierten und recht zuverlässigen Intelligenztests zeigen, dass sich ihre kognitiven Fähigkeiten von denen anderer Menschen unterscheiden: Sie löst im Vergleich zu ihrer Alters- und Bildungsgruppe eine größere Anzahl der schwierigen Aufgaben richtig.

Ansonsten unterscheiden sich diese Personen nicht von anderen Menschen: Augenfarbe, Größe, Gewicht, Hobbies, Interessen, Charaktere etc. variieren ebenso wie in jeder anderen Bevölkerungsgruppe. Und auch ihre Berufe spiegeln die Vielfalt unserer Gesellschaft wieder: Sie arbeiten am Fließband, im Büro und in der Landwirtschaft. Sie engagieren sich bei Feuerwehr, Polizei oder Militär. Sie betreuen Kinder, Kranke und Alte. Sie lehren in Schulen, Fachhochschulen und Universitäten. Sie verwalten beim Staat, sie produzieren in der Industrie und sie wirken im Dienstleistungssektor.

Entdecken und Fördern von Begabungen

Außergewöhnliche Leistungen aber erwachsen aus optimalem Zusammenspiel von Anlage und Umwelt – kaum ein ballbegabtes Mädchen schafft es ganz alleine an die Spitze der Nationalmannschaft und kaum ein musikalischer Junge entwickelt sich ganz allein zum neuen Beethoven. Erst mit der richtigen Förderung zuvor entdeckter Anlagen entfalten sich diese Begabungen und werden zu jenen Leistungen, die wir bewundern.

In den Sozialwissenschaften sind diese Debatten als Nature vs. Nurture bekannt und werden heute zumeist mit Nature AND Nurture aufgelöst – weder angelegtes Wesen noch nährende Erziehung genügen jeweils allein. Richtig verstanden zielt daher auch der Grundgedanke westlicher Bildungssysteme auf die Ermöglichung adäquater Rahmenbedingungen für alle Menschen, ganz besonders im Kindes- und Jugendalter.

Informationen zum fundierten Erkennen von und bereichernden Umgang mit hochbegabten Schulkindern finden Sie hier.

Inklusion und Hochbegabung

Im Rahmen der UN-Behindertenrechtskonvention sind seit 2009 auch sämtliche Bildungseinrichtungen in Deutschland verpflichtet, Inklusion mitzudenken und umzusetzen. Dabei wurde 2015 von der UNO klar gestellt, dass der Inklusionsbegriff "alle Menschen einschließt. Weder Geschlecht, soziale oder ökonomische Voraussetzungen noch besondere Lernbedürfnisse dürfen dazu führen, dass ein Mensch seine Potenziale nicht entwickeln kann.". Damit unterliegen auch die Bedarfe Hochbegabter der besonderen Berücksichtigung durch die Agenda Bildung 2030 der UNESCO.

Viele Hochbegabte sind ihrem Umfeld schon als Kinder voraus. Normale Lernsysteme, die meist auf die breite Mitte hin konzipiert wurden und immer noch werden, unterfordern sie. Manche eignen sich – getrieben durch Neugier und Faszination – selbst das Lesen, Schreiben und Rechnen an. Je besser das persönliche Umfeld informiert ist, desto leichter können alle mit diesem nach außen hin vielleicht anstrengend erscheinenden Tempo umgehen.

Das Team Bildung

Seit Anfang 2019 wächst bei Mensa in Deutschland ein Team aus Spezialisten im Bereich Bildung zusammen: Lehrer*innen aller Schulformen, Erziehungswissenschaftler*innen, Psycholog*innen und Expert*innen zahlreicher weiterer Fachgebiete vereinen sich im Nachdenken über Besonderheiten von Hochbegabungen in Bildungseinrichtungen. An diese breite Expertise knüpft ein sich verdichtendes Netz regionaler Ansprechpartner.

Diese EduSecs (Education Secretaries) informieren Sie gern und entwickeln mit Ihnen Lösungsansätze für individuelle Angelegenheiten – per E-Mail, am Telefon oder im persönlichen Gespräch. Die Initiatoren Eva Kippenberg und Thorsten Kreissig koordinieren dabei das Team auf Bundesebene und tauschen sich regelmäßig mit Kolleg*innen anderer europäischer Mensa-Zweige – mit in ihrem nationalen Umfeld ähnlichen Kooperationen – aus.

Ziele des Teams Bildung

Ziel des Teams Bildung ist, die Wahrnehmung von Unterrichtenden in allen Stufen unseres Bildungssystems für die Existenz von Hochbegabten zu schärfen. Dies umfasst alle - von den Erzieher*innen in Kitas, über Grundschul-, Berufsschul- und Gymnasiallehrer*innen bis hin zu Professor*innen an Universitäten und Fachhochschulen. Ihnen allen können bekannte oder bislang unentdeckte Hochbegabte begegnen, die sie besser fördern können, wenn sie über ein Grundverständnis für die Besonderheiten und Bedürfnisse dieser Menschen verfügen.

Im interdisziplinären Austausch entwickelt daher das Team Bildung derzeit verschiedene Fortbildungen, die voraussichtlich ab dem Schuljahr 2020/21 zur Verfügung stehen werden. Bei Fragen, Anregungen oder Interesse kontaktieren Sie uns gerne unter unter bildung@mensa.de.