Aktivensalon 2026 in Göttingen

Zu Beginn ein paar Zahlen: Wir waren 251 Erwachsene und 8 Kinder. Unter den Erwachsenen waren 15 ausländische Gäste aus 12 Ländern. Die weiteste Anreise hatte Minna Översti aus Jyväskyla in Finnland. Die genaue Zahl der Workshops, Gruppentreffen, Vorträge et cetera ist unklar – die 13 Gruppenräume, auf die sich die Ms verteilten, waren jedenfalls von Samstag vormittag von 9 Uhr bis 17:30 Uhr fast durchgehend belegt.

Außerdem war es warm, sehr warm, und eine Klimaanlage war im Tagungshotel „Freizeit In“ in Göttingen eher theoretisch vorhanden.

Klingt nach einem intensiven und ermüdenden Wochenende – und das war es auch. Allerdings mit dem Effekt, dass beim Abschlussplenum am Sonntag viele Ms ein kleines Leuchten in den Augen hatten: Direkter Kontakt ist eben durch nichts zu ersetzen. Wenn es dann noch um das gemeinsame Engagement bei Mensa geht, ist das Zusammentreffen so vieler Aktiver doppelt effektiv.

Zum einen ist da die Freude, alte Bekannte wieder zu sehen (und neue kennenzulernen), zum anderen kommen Organisatorisches und Pläneschmieden fühlbar schneller voran als per Mail oder in Online-Konferenzen.

Das Ganze nannte sich „Aktivensalon“ – weil es schicker klingt als beispielsweise „Arbeitswochenende“, und weil es durchaus etwas von einem Salon hatte. Da fanden sich spontan Gruppen und Grüppchen in irgendwelchen Ecken zusammen, da wurde an der Bar heftig genetzwerkt, da schaute man zusammen das WM-Spiel Deutschland – Elfenbeinküste (und wunderte sich ein wenig, wer sich alles für die Kicker begeisterte).

Am Ende hat man eine ganze Reihe abfotografierter Namensschilder auf dem Smartphone; im besten Fall lauter Ms, mit denen man in Kontakt bleiben und vielleicht etwas Gemeinsames auf die Beine stellen könnte.

Es gab natürlich jede Menge mit mensanischer Gründlichkeit geplante Arbeitstreffen. German efficiency eben, verkörpert und umgesetzt vor allem durch Bettina Bagunk und ihr Team (Eine Aufzählung aller Namen und die rituelle Danksagungen spare ich mir aus Platzgründen – stellvertretend an alle Involvierten: Great Job, mille Grazie!).

Ich kann hier nur etwas zu den Treffen sagen, bei denen ich mitgemacht habe, und das war naturgemäß nur ein winziger Ausschnitt.

Samstag ging es gleich um 9 Uhr mit dem Ortsblatt-Eddi-Treffen los. In 12 von 40 LocSec-Gebieten gibt es derzeit Ortsblätter, davon waren Eddis von 8 Blättern in Göttingen vertreten – keine schlechte Quote. Koordinatorin Stefanie Heidbrink leitete das Zusammenkommen; es ging vor allem um das Dauerthema „Neue Eddis finden“. Das gilt besonders für eine Reihe von Großstädten (Berlin, Hamburg, Köln), in denen vergleichsweise viele Ms leben. Wir diskutierten über Ursachen und Möglichkeiten – am Ende geht es darum, den Mitgliedern die Vorteile regelmäßiger lokaler Informationen zu verdeutlichen. Und dann hoffentlich Ms finden, die Spaß, Interesse und das Durchhaltevermögen haben, das man für die Eddi-Aufgabe braucht.

Für mich ging es als MinD-Italien-Beauftragten nach zwei Stunden sofort weiter mit dem Treffen der internationalen Gäste und der deutschen Kontakt-Ms. Von Finnland über Belgien, Frankreich, Polen, Ungarn, Österreich, Schweiz, Italien und diversen Balkan-Ländern versammelte sich eine bunte und sehr engagierte Mischung. Alle Gäste stellen sich und ihre Mensa-Arbeit vor; dabei wurden die Besonderheiten der einzelnen Länder und die Unterschiede deutlich.

Während Finnland gemessen an der Einwohnerzahl eine sehr hohe M-Quote hat und Mensa dort sowohl bekannt als auch populär ist, gilt Mensa in anderen Ländern eher als abgehobener elitärer Verein mit entsprechend niedrigen Mitgliederzahlen. Die Schweiz hat die Besonderheit der drei Landessprachen, die eine Zusammenarbeit oft erschweren, in Slowenien und Serbien fängt Mensa gerade an, nennenswert zu wachsen.

Alle Vertreter betonten, wie wichtig es ist, sich zu verbinden und voneinander ganz praktisch – zum Beispiel bei der Test-Organisation – zu lernen. Es wurden eifrig Mail-Adressen und Telefonnummern getauscht, und erste Verabredungen vereinbart. Österreich konnte glänzen mit selbst produziertem Mensa-Wein und reichlich Manner-Keksen, Finnland steuerte Lakritz bei. Konkret gibt es Bedarf zu mehr grenzüberschreitenden Veranstaltungen und zu regelmäßigen Online-Treffen. Hier ist die GIS Franco-Allemand Vorreiter, die sich unter anderem als effektive Möglichkeit zum Sprachenlernen entwickelt hat.

Insgesamt ist die verstärkte internationale Beteiligung gerade bei einem Aktiventreffen eine absolute Bereicherung. Alle Vertreter, mit denen ich gesprochen habe, sagten, dass sie in den verschiedenen Arbeitsgruppen eine Menge Anregungen und Ideen für ihre Arbeit vor Ort mitnehmen würden. Umgekehrt profitiert auch Mensa in Deutschland: Es gibt in anderen Ländern andere Veranstaltungsformate, Organisationsstrukturen oder Formen von Öffentlichkeitsarbeit, die überlegenswert sind und vielleicht übernommen werden können.

Ganz abgesehen davon ist es interessant und unterhaltsam, über das M-Leben beispielsweise in Finnland oder Südtirol zu plaudern.

Der restliche Tag/Abend spielte sich für mich auf den Gängen, im Foyer, an der Bar und vor dem TV ab: Ein wenig Mensa-Smalltalk, eine Menge persönlicher Gespräche und natürlich fachlicher Austausch und Mitfiebern beim WM-Spiel.

Spontane Frage an die Nerds und die Datenbankspezialisten: Ist bei den 48 teilnehmenden Fußballmannschaften eventuell auch ein Mensa-Mitglied am Start? Das könnte ganz neue Fan-Perspektiven eröffnen: Vielleicht Panama, Ecuador oder Schottland? Australien, Südkorea – ich fänd’s cool, wenn das jemand Befugtes abchecken könnte. Irgendein Ersatztorwart mit über 130 – what a story!

Der Rest des Wochenendes war zusammentragen, noch mal zum Plenum versammeln, ein Resümee ziehen. Klare Tendenz: Das müssen wir wiederholen.