Als Österreicher und häufiger Bayern-Gast möchte ich euch ein paar Tipps mitgeben, für das Jahrestreffen in den bayrischen Landen. Das Volk mit den Lederhosen und den großen Bierkrügen mag uns nicht fremd sein, viele Dinge allerdings sind dann doch ein wenig anders.
Bier ist nicht nur in Bayern ein beliebtes Erfrischungsgetränk, das veritabel besoffen macht. In vielen Teilen Deutschlands kennt man diese Hopfenkaltschale, die im Gegensatz zu den britischen Inseln, hierzulande tatsächlich ausschließlich kalt serviert wird. In München und dem Rest von Bayern geschieht dies allerdings oft in Gläsern, die in anderen Landesteilen schon als Eimer durchgehen. Generell gilt, ein Bier zu bestellen bringt einem ein wohlwollendes Nicken der Gastrobelegschaft und mindestens einen halben Liter Bier. Will man weniger, sagt man „kleines Bier“ und erntet mitunter skeptische Blicke. Für den Österreicher gewöhnungsbedürftig ist das Seidel. Bei uns klar, 0,33 Liter, in München klar 0,5 Liter – also das selbe, wie die Halbe. „Halbe“ steht übrigens für eine halbe Maß. Womit wir auch schon beim wichtigsten Bierformat sind. Wer in Bayern in Punkto Bier etwas auf sich hält, trinkt eine Maß, also einen Lister. Aber Vorsicht, nicht auf ex! Das ist ein wenig verpönt, und man ist sofort als Tourist oder „Mode-Bayer“ verschrien.
Zum Bier dazu passt natürlich hervorragend die Schweinshaxe. Das ist in vielen anderen Teilen das Eisbein und in Österreich die Stelze. Ja, wir haben auch die Stelzen, mit denen Kinder rumlaufen um größer zu sein, die essen wir aber nicht.
Bayerisch (oder auch bairisch) klingt nach Urlaub, klingt gewitzt und immer ein wenig anders als man erwartet. Die meisten Worte sind klar verständlich, bedeuten aber mitunter etwas anderes. Will der Bayer beispielsweise etwas sofort oder sehr bald, sagt er „glei“, also gleich. Damit ist in nördlicheren Regionen allerdings eher „später“ gemeint. In Bayern ist man, um es formal zu sagen, mit „gleich“, wesentlich näher am „jetzt“, als im Norden.
Ein weiterer und durchaus pikanter Fettnapf ist das Wort „schmusen“. Norden und Süden könnten das nicht unterschiedlicher verstehen. Erzählt jemand aus dem Norden beispielsweise, er oder sie schmust mit der eigenen Katze, führt das in Bayern mitunter dazu, dass man als ziemlich abartig angesehen wird. Warum? Nun, im Norden ist schmusen einfach kuscheln. Daher auch die beliebte Schmusedecke usw. Bayern und Österreich kuscheln auch, wir nennen das dann aber auch genau so. Schmusen ist bei uns der Zungenkuss, so richtig mit Leidenschaft. Und wenn ihr Nordländer dann so von eurer Katze erzählt, könnt ihr euch vorstellen, welche Bilder das in unseren Köpfen weckt.
So wie diese, gibt es noch jede Menge andere Gelegenheiten, als seltsam betrachtet zu werden. Das ist aber normalerweise nicht schlimm. Die Bayern haben Humor und zeigen Charme, wenn es darum geht, die Leute auf den ein oder anderen Fauxpas hinzuweisen.
Ein Satz zum Üben:
Heuer sind Topfen und Brandteigkrapferl besser als letzten Jänner.
Die Übersetzung wäre dann:
Dieses Jahr sind der Quark und die Windbeutel besser als im Januar des letzten Jahres.
Viel Spaß beim JT!


